Strecke Melchnau-Untersteckholz-St. Urban-Roggwil-Langenthal

Spezielle Heimstrecke

Das «Melchnauerli» fuhr während Jahrzehnten auf der Strecke Melchnau-Untersteckholz-St. Urban-Roggwil-Langenthal. Melchnau-St. Urban war das einzige Schmalspurgeleise im weiten Umkreis, das nicht intensiv von regelmässigem Bahnverkehr befahren wurde. Der Verein Freunde Schweizer Schmalspurbahnen (FSS) bedauert, dass die Konzession für diese Strecke 2012 aufgehoben wurde und die Geleisen vor Weihnachten 2015 entfernt wurden. Der FSS ist der Meinung, dass die Gestaltungsfreiheit künftiger Generationen erhalten bleiben und somit besonders von einer Entfernung oder Überbauung des Trassees zwischen Melchnau und St. Urban abgesehen werden sollte. Der FSS macht darauf aufmerksam, dass die Bahnstrecke Melchnau-St. Urban-Langenthal bzw. deren verbleibenden Komponenten ein architektonisch, kulturhistorisch und landschaftsästhetisch wertvolles Gesamtbauwerks darstellt. Die Bahnstrecke Melchnau-St. Urban ist auch Bestandteil der speziellen Rottaler Kulturlandschaft mit beispielsweise der Klosteranlage St. Urban und den einmaligen Rottaler Wässermatten.

Nicht zuletzt stehen an der (ehemaligen) Bahnstrecke Langenthal-Melchnau noch mehrere Gebäude aus dem Eröffnungsjahr 1917, neben der Remise und dem modifizierten Bahnhofgebäude in Melchnau sind dies das 2009 renovierte «Bahnhöfli» in Untersteckholz und das Bahnhofgebäude bei Roggwil Dorf. Das winzige Bahnhofgebäude bei St. Urban wurde leider durch einen Stahl-Glas-Bau ersetzt. Die in Sichtweite stehende Klosteranlage St. Urban macht aber auch diesem Streckenabschnitt einmalig.

Alleine schon die Vorgeschichte der Bahnstrecke ist äusserst interessant, hätte doch eine doppelspurige Normalspurlinie in den 1870er-Jahren Langenthal über Altbüron direkt mit Wauwil und damit mit dem Gotthard-Tunnel (Eröffnung 1882) verbinden sollen. Melchnau hätte in diesem Zusammenhang weiter unten im Tal einen Bahnhof erhalten. Doch es kam anders und die bereits gestarteten Bauarbeiten mussten 1875 infolge einer Finanzkrise abrupt eingestellt werden. Dies war für die Bevölkerung und verschiedene Unternehmen zwischen Langenthal BE und Wauwil LU verheerend und wirkt sich bis heute negativ auf das ÖV-Angebot aus. Als positive Folge zu werten ist die Unversehrtheit der Rottaler Kulturlandschaft.

Präsentation «Das gescheiterte Bahnprojekt Langenthal-Wauwil von 1874/75 und seine Langzeitfolgen» von Werner Stirnimann (1'814 KB, .pdf)

In der Folge wurde Melchnau erst 1917 an das Bahnnetz angeschlossen. 1982 wurde der reguläre Bahnverkehr dann aber durch eine Buslinie ersetzt. Auf der Strecke Melchnau-St. Urban verkehrten anschliessend bis 2012 nur noch Nostalgiefahrten und Güterzüge.

In der umliegenden Rottaler Kulturlandschaft sind viele Besonderheiten erhalten geblieben, sei es etwa im kulturellen Bereich, z.B. mit der Burgruine Grünenberg oder der Klosteranlage St. Urban, sei es im kulinarischen Bereich oder im Bereich Natur und Landschaft. Auch bieten die Internetseiten des Grenzpfads Napfbergland und von Tourismus Oberaargau reichlich Information für einen Besuch in der Region.

Fotogalerie

Heimstrecke des Melchnauerlis 2014


Eindrücke Bahnfahrt 2005
Triebwagen Bre 4/4 116
(Baujahr ursprünglich 1907)